Lars Wentrup

Münster ist seine Geburtsstadt, seine Quelle der Inspiration und seine Wirkungsstätte. Längst ist der Grafikdesigner Lars Wentrup, Jahrgang 1977, kein unbeschriebenes Blatt mehr. 

Zusammen mit Lisa Nieschlag leitet Wentrup die inhabergeführte Agentur für Kommunikationsdesign Nieschlag + Wentrup. Gemeinsam haben sie bereits eine Vielzahl von Auszeichnungen erhalten und außerdem ordentlich für Auflage gesorgt. Ihre bundesweit gefragten Kochbücher zieren Bestsellerlisten.

Lars Wentrup widmet sich der „Metropole Westfalens“ seit 2004 noch aus einer ganz anderen Perspektive – als Plakatillustrator. Er knüpft damit an die goldene Ära der Plakatmaler an, interpretiert deren Kunst mit modernen Mitteln und seinem ganz eigenen Stil. Das tut Wentrup mit viel Muße und Zeit: „Wenn ich an einem neuen Plakatmotiv arbeite, rückt der Dienstleister in den Hintergrund und der Künstler übernimmt.“

Seit 2010 ergänzt er sein Portfolio mit der Edition Porquerolles um einen weiteren Sehnsuchtsort.

Portrait von Lars Wentrup

Interview mit einem modernen Plakatmaler

Erschienen in „Münster kauft ein“, 2014

Herr Wentrup, wie kam es zu der Idee?

„Die Idee ist während eines Südfrankreich Urlaubs geboren. An der Côte d’Azur sieht man noch viele alte Reiseplakate. Die haben mich spontan begeistert, weil sie etwas komponieren, was keine Fotografie der Welt so einfangen kann. Und ich dachte mir, so etwas für meine Heimatstadt Münster zu entwerfen, müsste Spaß machen.“

Eigentlich ist die Zeit der Reiseplakate ja längst vorbei.

„Zwischen 1900 und 1960 waren diese Zeichnungen das bevorzugte Mittel, Urlaubsorte zu bewerben. Danach haben die Fotografen die Plakatmaler abgelöst – mit Verlust, wie ich finde. Wenn ich zum Beispiel den Charakter des Aasees oder des Prinzipalmarkts in Münster einfangen will, wird mir das mit einer einzigen Fotografie kaum gelingen, weil immer Aspekte fehlen und andere Dinge zu viel sind – Autos, Passanten, Verkehrsschilder. Als Plakatmaler kann man komponieren, Dinge überhöhen, hinzufügen und Unwichtiges und Störendes einfach weglassen. Man bekommt die Stimmung einfach besser rüber.“ 

Grundlage Ihrer Münster-Motive sind trotzdem Fotografien?

„Genau. Ich lege verschiedene Fotografien übereinander und bearbeite sie mit Vektorprogrammen. Plakatmalerei mit modernen Mitteln sozusagen.“

Klingt einfach, ist aber bestimmt sehr aufwändig.

„Die Gestaltung der Karten ist für mich ein willkommener Ausgleich zur täglichen Agenturarbeit. Von der ersten Idee bis zur Fertigstellung eines Motivs können auch schon mal 3 Monate vergehen. Wenn ich eine grobe Vorstellung von einem neuen Bild habe, fahnde ich zunächst nach dem richtigen Blickwinkel in der Stadt. Für die „Guten Morgen Münster“-Karte mit dem Hahn habe ich zum Beispiel lange nach einem Ausblick gesucht, der die Prinzipalmarktgiebel im perfekten Winkel zur Lambertikirche zeigt. Dafür habe ich durch so manches Hinterzimmer-Fenster der Stadtverwaltung geschaut, bis die richtige Perspektive gefunden war.“

Waren die Verwaltungsfachkräfte da nicht irritiert?

„Zunächst schon, aber viele Menschen dort kannten bereits die Karten und waren sehr hilfreich und kooperativ. Die perfekte Perspektive gefunden habe ich am Ende übrigens in einem kleinen Raum der Bezirksregierung am Domplatz.“

Die Personen auf den Karten sind häufig reale Freunde und Verwandte?

„Richtig. Mein Vater, meine Frau und Kinder hatten bereits das eine oder andere Mal das Vergnügen, für mich Modell zu laufen, den Domplatz rauf und runter zu radeln oder umher zu flanieren bis der richtige Moment im Kasten war.“

Dann geht’s an den Computer…

„Ja, aber ohne Druck. Für die Gestaltung lasse ich mir solange Zeit, bis das Motiv für mich perfekt ist. Fast jedes bekommt eine eigene Schrift und Farbtemperatur, die für eine bestimmte Epoche steht. Ich habe auch schon Wochen damit verbracht, die genau richtig gewundene Linie für einen kleinen Windstoß zu finden. Die Karten entstehen ja neben meiner täglichen Arbeit und nach Feierabend – es gibt also keine Deadline.“

Seit 2005 sind mittlerweile über 50 Münster-Motive entstanden, die es als Postkarten, Magnete, Poster, Brettchen, Kalender und Tassen zu kaufen gibt. Haben Sie schon mal daran gedacht, das Prinzip auf andere Städte oder Urlaubsregionen auszudehnen?

„Daran gedacht auf jeden Fall. Und es gab auch bereits Anfragen. Aber das ist nicht so einfach. Ich glaube, man muss den Charakter und die Eigenarten einer Stadt schon sehr gut kennen, um sich an so ein Projekt heranzutrauen. Es geht mir ja darum, genau das darzustellen und weniger um die reine Abbildung von Sehenswürdigkeiten. Ich bin gebürtiger Münsteraner, lebe und arbeite hier und bekomme täglich neue Inspirationen. Andere Städte und ihre Bewohner und Besucher müsste ich erst richtig kennenlernen. Obwohl, eine weitere Serie gibt es tatsächlich schon! Wir fahren schon seit Jahren regelmäßig auf eine kleine Insel an der Côte d’Azur, für die ich Motive entworfen habe und sicherlich auch noch weitere entwerfen werde. Besonders reizt mich dabei die Darstellung des Lichtes, des Meeres und der südlichen Vegetation.“

Wird es in diesem Jahr auch noch weitere Münster-Motive geben?

Na klar. Zwei bis drei auf jeden Fall. Ideen habe ich noch eine ganze Menge!